Zahlen bitte!

Ich habe am WE mal Excel befragt: Auf jedes verkaufte gedruckte Buck von mir kommen knapp 45 heruntergeladene eBook-Exemplare. Das freut nicht nur die Bäume!

Dieser hohe Faktor liegt aber bestimmt auch daran, dass eBooks nicht der Preisbindung unterliegen, und ich sie nicht nur knapper kalkulieren, sondern auch saisonale Sonderaktionen durchführen kann.

Was mich überrascht: Es sind nicht die „großen amerikanischen Player“, die die Hauptlast der Downloads stemmen, sondern die drei großen deutschsprachigen Buchhändlerketten mit ihren Portalen.

Hier hat mich zugdem überrascht, wie hoch der Anteil von deren Österreichischen und Schweizer Töchtern ist! Das umtriebigste Schweizer Portal generiert z.B. mehr Umsatz als die Downloads für die iOS-Platform.

Bei den gedruckten Büchern hat mich gefreut, dass offensichtlich auch viele Exemplare trotz Selfpublishing über den traditionellen Buchhandel vertrieben werden.

Und nun zu den Titeln: Zwei Titel liefern sich mit Abstand zu den anderen ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

„Nellchen, der (beinahe) Bernhardiner“

liegt nur ganz knapp hinter

„Katzen statt Pesaro“.

Dann trennen sich die Wege bei Print und eBook: Als gedrucktes Buch folgt die „Chiòcciola Trilogie“ mit deutlichem Abstand den beiden vorher genannten Spitzenreitern.

Bei den eBooks liegt „Safya“ auf Platz drei.

Ach ja: Die Weihnachtstitel scheinen das ganze Jahr gefragt zu sein…

Hintergrundinfo zu Safya

Safya ist ein zwölfjähriges jessidisches Mädchen, dass nach dem Tod ihrer Eltern aus Mossul zu ihrer Tante nach Berlin kommt. Leider muss sie die Pflege zunächst aus gesundheitlichen Gründen an ihre ehemalige Klassenkameradin delegieren.

Eigentlich ist Safya ein ausgesprochen altkluges Mädchen, so wie sie über Gott und die Welt spricht. Mit ihrem kindlichen Vertrauen und der von ihrem Vater geschulten Kenntnis über Religionen provoziert sie gleichermaßen Sympathie und Hass. Als der Hass eskaliert, endet ihre Kindheit auf der Intensivstation.

Fünf Jahre später, die Kindheit ist im Koma verschlafen, muss Safya sich zurückkämpfen. Vieles hat sich verändert, nicht nur ihr Körper. Der ursprüngliche Wunsch, wie ihr Vater Professor zu werden, scheint in weite Ferne gerückt. Immer noch sehr klug, bereitet es ihr Schwierigkeiten, Neues zu verarbeiten. Und der ihr fremde, erwachsene Körper verstört sie nachhaltig.

Ein Urlaub in den Bergen soll ihr neue Kraft geben und dann begegnet sie Paul, der sein Leben nach einem tragischen Unfall ebenfalls neu gestalten muss.

Dieses kindliche Gemüt im Körper einer erwachsenen Frau fasziniert und verstört Paul gleichermaßen. Und doch schaffen es beide, sich gemeinsam neue Perspektiven zu erkämpfen.

Die Chiòcciola-Saga

Öde, wenn man in den großen Ferien in der brandenburgischen Pampa gestrandet ist, findet Annika. Gerade mit fünfzehn will man nach den Ferien doch von aufregenden Erlebnissen im Urlaub erzählen! – Alles ändert sich, als sie überraschend Nachbarn vom anderen Ende der Galaxis bekommt…

Natürlich geht es in diesen bisher zwei Bänden um Weltraumabenteuer, um ein bisschen Naturwissenschaft, amüsant lesbar verpackt. Aber es geht unterschwellig auch um etwas ganz anderes. Denn sowohl das Verhältnis zum Zwillingsbruder Dennis als auch die Liaison mit dem Alien Chiòcciola wirft Fragen auf. Fragen zum eigenen Ich, zum Rollenbild innerhalb der Familie und Gesellschaft, zu eigenen Erwartungen an die Zukunft, zur Zielperson der Liebe.

Das mit den Frauen und Männern ist doch schon kompliziert genug. Um wie viel komplizierter wird es dann, wenn dann auch noch ein Alien ins Spiel kommt?

Ein Alien, bei dem die Grenzlinie zwischen männlich und weiblich nicht so verläuft wie bei uns, sondern bei dem – ähnlich wie bei den Schnecken – diese Frage im Vollzug der Familienplanung erst abgestimmt wird. Das ergibt dann in Chiòcciolas Welt eine gänzlich andere Gesellschaftsituation, denn die Gender-Frage stellt sich dort ganz anders.

Und somit hilft Chiòcciola dann auch Annika und Dennis, einen frischen Blick nicht nur auf all diese Gender-Fragen dieser Welt zu bekommen.

Im gerade erschienen dritten Band kommt Jill ins Spiel, das gemeinsame Kind. Ähnlich dem in unserer Welt bekannten AIS-Syndrom ist Jill anders. Jill ist weder erkennbar männlich, noch weiblich. Das wirft eine Menge Fragen auf, insbesondere seit der Einschulung!

Und wenn solch eine erzählte Fiktion in unserer realen Welt bei Facebook beworben wird, dann kommt so etwas dabei heraus:

“Deine Werbeanzeige konnte nicht genehmigt werden, da sie ein Körperideal darstellt. Bilder, die einen bestimmten Körpertyp als perfekt oder wenig wünschenswert zeigen (z. B. mit dem Fokus auf Bauchmuskeln oder Bauchfett), sind nicht zulässig. Erfahre mehr über unsere Werberichtlinien”

Das zeigt mir, dass solche Erzählungen auch im 21. Jahrhundert notwendig sind, um zu zeigen, dass weder unsere, noch andere vorstellbare Welten nur schwarz oder weiß sind. Dass eine Welt nur erstrebenswert ist, wenn sie viele Schattierungen zulässt. Aber das ist wohl Fiktion und sollte vielleicht auch nicht beworben werden. – Ehe noch jemand nachdenkt…

Ach ja, das angemahnte Video:

“Alien, Muter, Kind -Der 3. Band der Chiòcciola-Reihe ist gerade erschienen!”

Dann werden die drei Titelseiten der Bücher eingeblendet: Haus, Milchchtraße, Herzchen…

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Nachtrag 11. Februar 2018: Zwischenzeitlich konnte die Angelegenheit doch einvernehmlich geklärt werden. Es zeigt aber, wie labil unser mediales System mitunter agiert.

Tatin und der ganze Gender-Kram

Tatin erfährt Wertschätzung von ihren Kollegen, aber auch Zurücksetzung im engeren Team. Diesen Widerspruch zu erkennen, bedarf es eines Kristallisationspunktes.

In Dr. Horst Hübscher begegnet Tatin ein „Waffenmeister“, der ihr Methoden und Techniken an die Hand gibt und sie ermutigt, sich dem Kampf zu stellen.

Tatin stellt sich der Herausforderung, und beginnt mit ihrem Team-Kollegen Eric um die freiwerdende Position des Teamleiters Ludgar zu konkurrieren.

Die Ereignisse eskalieren, und als sich der Rauch verzogen hat, eröffnen sich überraschend neue Horizonte.

Soweit der Spannungsbogen der Geschichte: Eine Frau wird im Berufsleben ausgebremst. Muss man zum Beginn des 21. Jahrhunderts diese Geschichte erzählen, unabhängig davon, ob sie lesenswert und unterhaltsam ist?

Sind wir als Gesellschaft nicht inzwischen weiter? Ist dieser Gender-Kram nicht inzwischen „Schnee von gestern“? Wir werden in gemischtklassigen Schulen auf ein Berufsleben vorbereitet, in dem Männer und Frauen gemeinsam die Probleme im Job lösen. Und wer sich hier besonders qualifiziert, kommt im Unternehmen voran. So ist das doch, oder?

Werben wir nicht explizit dafür, dass Mädchen sich für die MINT-Studiengänge interessieren? Stehen ihnen nicht alle Chancen offen, anders als an anderen Orten, auf die wir so gern mit den Finger zeigen?

Nur eine amüsante Geschichte also? – Gut, ich will die Frage einmal so beantworten:

Wenn ich die Geschichte von Tatin, Eric, und Ludgar plausibel und spannungsfrei andersherum erzählen könnte: Teamleiterin und hypochondrische Kollegin bremsen engagierten und kompetenten Kollegen aus und verhindern sein berufliches Weiterkommen, dann wäre es wirklich nur eine amüsant zu lesende Geschichte…
Und weil mir derzeit so einen Spannungsbogen kein Leser glauben würde, hat „Tarte Tatin & Rébellion“ eben noch eine andere Dimension.